«

»

Ein Kurzbesuch in der UNESCO Weltkulturstadt Regensburg

Panorama_©Stadt Regensburg_Peter Ferstl Kopie

Einst war Regensburg eine von den Römern gegründete Festungsstadt, in der sich Kaiser und Könige trafen. Noch heute findet man in der historischen Altstadt zahlreiche romanische und gotische Bauten, die mit bayerischem Barock und Rokoko ergänzt wurden.

Die beeindruckende Universitäts- und Industriestadt kann auf mehr als 2000 Jahre Geschichte zurückblicken, und dennoch ist sie die besterhaltene mittelalterliche Stadt Deutschlands.

Am nördlichsten Punkt der Donau gelegen, besticht sie mit ihrer autofreien Altstadt, in der sich Vergangenheit und Zukunft vereinen.P1030825Ihre gemütlich engen Gassen, ihre kleinen Boutiquen, die zum Kaufen verführen, sowie die herrlich großen Plätze mit ihren Restaurants, Bars und gemütlichen Cafés bieten wunderbare Treffpunkte für Jung und Alt.

Wir checken im geschichtsträchtigen, denkmalgeschützten P1030821„Hotel Jacob“ von 1781 ein, das am westlichen Stadttor (Jacobs Tor) liegt. Es ist eines der vier Eingangsportale P1030802(13. Jh.) der einstigen Stadtbefestigung, das zur Altstadt führte.

Von hier aus werden wir nun die Stadt entdecken.

Leider regnet es noch, so dass wir uns unseren geplanten Rundgang zu den Sehenswürdigkeiten anders vorgestellt haben.

Wir sind mit dem österreichischen Komponisten Peter Androsch und Kurator Dr. Wolfgang Neiser IMG_3607verabredet, um einen „Hörspaziergang“ durch die Stadt zu machen. Fakt ist, jeder Ort besitzt seine eigene akustische Umwelt, d.h. typische und auffällige Geräusche, die uns Orientierung bieten. So starten wir einen Versuch unter einer Brücke, P1030812unter der sich die Geräusche von Wasser, Stimmen sowie dem Echo bündeln und zu hören sind, die sich dann aber zu einem eigenständigen Geräusch überlagern und verbinden – es ist sehr interessant.

Weitere Hörmöglichkeiten erleben wir im Historischen Museum, Ausstellung Phonographie 3_©Stadt Regensburg, Stefan Effenhauser Kopiedas sich im ehemaligen Minoriten-Kloster befindet. Hier genießen wir Kunst- und Kulturgeschichte von der Steinzeit bis zum 19. Jahrhundert, wobei uns beide KünstlerIMG_3696 ein bildendes Werk aus dem Sammlungsbestand des städtischen Museums akustisch beschreiben. Hier ist Ausstellung Phonographie 2_©Stadt Regensburg, Stefan Effenhauserauch die Sonderausstellung „Phonographie Peter Androsch“ in der Zeit vom 11. Juni bis 30. Oktober 2016 zu sehen und zu hören.Dom bei Nacht__©RTG_IBW Kopie

Nach all den akustischen Eindrücken zieht es uns nun ins Restaurant „Weltenburger am Dom“, das sich zwischen Domplatz und Kornmarkt, in mitten der historischen Altstadt am Dom befindet.

Es überrascht mit einer über 1000-jährigen Geschichte sowie dem einzigartigen Ambiente, das für bayerische Gemütlichkeit sorgt. IMG_3733Zu den regionalen Spezialitäten wird das „Weltenburger Bier“ aus der ältesten Klosterbrauerei der Welt serviert – einfach ein Genuß!

Heute werden wir weiter auf Entdeckungstour gehen.

Leider regnet es immer noch ! Unser Weg führt uns vorbei an der Kathedrale St. Peter aus dem 13. Jh., die nach französischem Vorbild erbaut wurde. Das beeindruckende Bauwerk der gotischen Architektur und Mittelpunkt der Stadt wurde in Etappen von 600 Jahren erbaut. Seine 105 Meter hohen Westtürme zeigen durchbrochene Maßwerkgiebel, und das 32 Meter hohe Gewölbe erstreckt sich über das gesamte Mittelschiff und ist fast vollständig erhalten.IMG_3655Eine angenehme Dämmerung erzeugen hier die wunderschönen mittelalterlichen Glasfenster, die das Innere fast mystisch erscheinen lassen.

Der angrenzende „Domplatz & Kräuter Markt“ besteht aus zwei verschiedenen Plätzen. Der nördliche Teil ist der ehemalige Kräuter Markt und beide gehören seit 20006 zum UNESCO Weltkulturerbe. Hier zeigen sich besonders eindrucksvoll mehrere historische Baudenkmäler wie die aus den 1890er Jahren erbaute „Oberpostdirektion“, die ursprünglich mit einer Palastfassade im Stile der Neurenaissance versehen war. Schon im Mittelalter wie auch heute ist der historische Domplatz ein sehr beliebter Treffpunkt von Einheimischen und internationalen Gästen, die in den zahlreichen netten Cafés und Restaurants verweilen.

Gegenüber vom Dom befindet sich auch das „Haus Heuport“ (Heutor), ein Renaissancebau von 1540, der im Mittelalter der nördliche Eingang zum „Judenviertel“ Judenviertel war. Heute befindet sich hier der „Neupfarrplatz“, wo einst ca. 39 Häuser und eine Synagoge standen. Karavan-Kunstwerk_©Stadt Regensburg_Peter Ferstl KopieBei der Neugestaltung des Platzes wurden 1995 die Mauerreste der 1519 zerstörten mittelalterlichen Synagoge und ein romanischer Bau aus dem 11. oder 12. Jh. gefunden.

Weiter geht es vorbei an alt ehrwürdigen Bauten, bis wir die Städtischen Galerie „Leerer Beutel“ in der Bertoldstraße 9 erreichen. P1030845Einst diente sie als Getreidespeicher. Heute ist sie ein Kulturzentrum sowie ein denkmalgeschütztes Bauwerk des 16./17. Jh. mit Galerien und Jazzclub und wird in drei Etagen für Dauer-und Wechselausstellungen genutzt.

So haben wir das Glück, die Ausstellung „Mariscal World in Regensburg“ des vielseitigen spanischen Künstlers Javier Mariscal P1030849hier genießen zu können. P1030852Die eindrucksvolle, oft kindlich wirkende Bilderausstellung zeigt Zeichnungen, Grafiken, Skizzen und Cartoons, die humorvoll, fröhlich und provokant sind. Auch die 3. Etage ist ihm gewidmet, P1030860sie

zeigt wunderschöne gefühlvolle Zeichnungen, zu denen die Bilder von Chico & Rita gehören. Sie handeln vom kubanischen Jazzpianisten und seiner großen Liebe Rita Martínez, die sich nach zahlreichen Hindernissen endlich wiederfinden.

P1030862Eine andere Sammlung umfaßt vor allem ostbayerische Künstler wie Josef Achmann (1898-1973), Kurt von Unruh (1894-1986), Otto Baumann (1901-1992) u. a.

Anschließend essen wir im dortigen historischen, gemütlichen Restaurant „Leerer Beutel“, P1030846das mit seinem rustikalen und stilvollen Ambiente überrascht. Geboten wird eine regionale sowie internationale Küche, die sehr schmackhaft ist. Regensburger Restaurants

Die Historie nimmt in der Stadt kein Ende,

und so zieht es uns zur dreischiffigen gewölbten Dominikaner Kirche „St. Blasius“ am Albertus-Magnus-Platz. Sie ist eine der größten und bedeutendsten Bettelordenskirchen Deutschlands und ein Meisterwerk der Gotik. Sehr eindrucksvoll ist die 73 Meter lange und 25 Meter breite dreischiffige Basilika, deren Bauzeit 1240 begann und die sich ca. 150 Jahre lang hinzog. Hier besuchen wir die Ausstellung „Mehr als Schwarz & Weiß – 800 Jahre Dominikaner-Orden.“P1030880

P1030892Zu bewundern sind hier wunderschöne Wandmalereien, Goldschmiedearbeiten, Ausstellungsstücke wie mittelalterliche Handschriften, Skulpturen und Gemälde. Ihre Inneneinrichtung mit dem Chorgestühl aus dem 15. Jh. ist noch im Originalzustand erhalten, und der achtstöckige Nordturm der Kirche ist im Sommer auch begehbar.

Es ist unser letzter Tag und leider hört der Regen immer noch nicht auf!!

Wir machen noch eine kurze Stadtführung und kommen vorbei an einem der noch ca. 20 erhaltenen Geschlechtertürme, IMG_3899dem 42 Meter hohen „Goldenen Turm“. Er wurde im gotischen Stil ab 1260 erbaut ist der bekannteste, älteste und höchste Geschlechterturm der Stadt. Er diente als Statussymbol einer reichen Patrizierfamilie und gehört heute zum UNESCO-Weltkulturerbe Regensburg.

Stadtansicht_©Stadt Regensburg, Peter FerstlVon weitem erblicken wir die Steinerne Brücke, die neben dem Regensburger Dom das bedeutendste Wahrzeichen der Stadt Regensburg ist, sowie die älteste erhaltene Brücke Deutschlands. Sie wurde zwischen 1135 und 1146 im romanischen Stil erbaut und war einst die einzige Donaubrücke zwischen Ulm und Wien.

Gerne hätten wir auf dem Rathausplatz noch gemütlich ein Glas Wein getrunken, aber der Regen macht es leider unmöglich. So machen wir noch einen kurzen Besuch im „Besucherzentrum Welterbe Regensburg im Salzstadel“ an der Steinernen Brücke.IMG_20160713_164631

In den mittelalterlichen Räumen werden verschiedene Themenbereich auf 3 Etagen gezeigt. Es ist sehr interessant und so machen wir in Gedanken eine Weltreise um den Erdball, ein riesiger blauer Planet per Touchscreen ist uns dabei behilflich. Die interaktive Dauerausstellung ist täglich von 10:00 – 19:00 Uhr geöffnet, der Eintritt ist kostenlos.

 

Die historische Stadt Regensburg hat sehr viel zu bieten, seit 2006 gehört sie zum „UNESCO-Weltkulturerbe der Menschheit“. Man erlebt wunderschöne Eindrücke von Baudenkmälern auf engstem Raum, die sich auf zweitausend Jahren europäischer Geschichte drängen – es ist einfach fantastisch, man sollte sich für die Entdeckungen der Stadt viel Zeit nehmen! P1030897


Regensburg

 

© Fotos: Sigrun Lüddecke, Norbert Wittwer, Peter Ferstl

Print Friendly
Sigrun Lüddecke
Follow me:

Sigrun Lüddecke

Herausgeberin Bonnes Vacances – Magazin für VIP-Reisen bei PR-CONSULT Berlin
Sigrun Lüddecke
Follow me:

Über den Autor

Sigrun Lüddecke