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Der Dornröschenschlaf der unberührten Region Cilento

Wir planen eine Entdeckungsreise durch den Nationalpark Cilento und Vallo di Diano, der seit 1998 zum UNESCO-Kulturerbe gehört und nur in den Monaten Juli/August aus seinen Träumen erwacht.

Wir fliegen von Berlin nach Mailand, dann geht es weiter nach Neapel, wo wir am Flughafen schon erwartet werden und dann noch 2 ½ Stunden Autofahrt vor uns haben. Nach einem kleinen Imbiß an einer Autobahnraststätte geht es weiter nach Marina di Camerota, zu unserem Hotel „Calanca“, das uns schon mit einem Begrüßungstrunk willkommen heißt.

Das Hotel Calanca

wird von Andrea Bifulco und seiner Freundin Valentina geführt, die für das Wohl der Gäste sorgen. Wir sind begeistert, es liegt direkt am Meer, nur 100 Meter vom Strand entfernt und besticht mit seinem weißen Sand sowie dem klaren Wasser, das eine geringe Tiefe hat und ideal für kleine Gäste und Nichtschwimmer ist.

Das „Calanca“ bietet Halbpension (Frühstück und Abendbrot) an und lockt mit über 20 gemütlich hellen Zimmern, die Balkon mit Meerblick sowie Bad mit Dusche haben.

Der Gast kann zwischen drei unterschiedlichen Zimmerarten wählen, die Zimmer „Cala Bianca“ begeistern mit schönster Aussicht, dem Panoramablick auf die Baia Calanca, der bei herrlichem Wetter einen der schönsten Sonnenuntergänge des Cilento bietet.

Von den Zimmern „Cala Fortuna“ hat man den Blick auf Meer und Pool, zur Verfügung stehen Doppel-, Dreibettzimmer mit Doppel- und Kinderbett sowie Vierbettzimmer mit Doppel-und Etagenbett.

Die Zimmer „Kamaraton“ bieten den Blick auf das Dorf und ein wenig auf das Meer. Es stehen Doppel- und Dreifachzimmer mit Doppel- und Kinderbett oder Vierbettzimmer mit Doppel- und Etagenbett zur Verfügung.

Ausflug ins malerische Bergdorf Camerota

schon von weitem erblicken wir das mittelalterliche Dorf, das sich nur einige Kilometer entfernt über dem Badeort Marina di Camerota auf einem 300 Meter hohen Felsplateau befindet. Es scheint, als ob es über den gesamten Nationalpark wacht. Dort angekommen, haben wir einen großartigen Blick auf die Landschaft sowie den Monte Bulgheria.

Bei unserem Rundgang geht es vorbei an einer gewaltigen Burgruine, die von Moos, Sträuchern und Gras umrankt wird, dann erreichen wir einen Platz, von dem es zum mittelalterlichen „centro storico“ des verschlafenen Dorfes mit seinen verwinkelten engen Gassen und Torbögen geht.

In einer engen Gasse im Dorf entdecken wir einen Schuster bei der Arbeit, etwas weiter eine Töpferei, die noch das jahrhundertelange Handwerk nach alten Methoden betreibt. Einwohner sehen wir kaum, wir fühlen uns, als wären wir in einem anderen Jahrhundert. Das Bergdorf Camerota sollte man unbedingt besuchen, denn es ist ein herrliches Ausflugsziel.

Wir lassen unseren ersten Tag ausklingen

und besuchen das Restaurant „La Cantina Del Marchese“ in der Altstadt von Marina di Camerota. Es überrascht mit seinem rustikalen Ambiente, das für mich doch gewöhnungsbedürftig ist. Die groben Holztische mit ihren harten Sitzbänken ohne Kissen und Lehne sind nach einiger Zeit sehr anstrengend. Allgegenwärtig sind die Accessoires von Lebensmittelherstellungen, die den Stil des Restaurants prägen. Auch das Essen, eine „Maracucciuata“ (Art Polenta) ist „deftig rustikal“ und hätte zum Ambiente nicht passender sein können. Selbst der Inhaber Franco Forte brillierte mit seinen etwas eigenwilligen weißen Socken, so daß man sagen könnte, „hier ist alles gekonnt aufeinander abgestimmt, es ist eben nur eine Frage des Geschmacks“!!

Am nächsten Morgen ist das Wetter windig und kühl,

aber dafür lockt ein herrliches Frühstück im Hotel, das wir je nach Gusto auf der Terrasse, im Schatten der Olivenbäume mit Blick aufs Meer oder aber im Restaurant neben dem Pool genießen können. Am reichhaltigen Buffet haben wir nun die Qual der Wahl, denn es locken süße und herzhafte Köstlichkeiten, die gleich gute Laune zaubern.

Nicht nur das Frühstück ist verlockend, es ist geplant, daß wir anschließend einen Kochkurs „Mani in Pasta“ mit Köchin Annamaria des Hotels machen und dabei mehr über die italienische Kochkunst erfahren. Anschließend wird unser Werk bei unserem gemeinsamen Mittagessen zensiert – wir sind gespannt.

Die „Cilentanische Küche“ ist sehr traditionsverbunden, das zeigen die Rezepte, die nach Regeln der Vorfahren und fast nur mit einheimischen Produkten wie Fisch, Olivenöl, saisonalem

Gemüse sowie Obst zubereitet werden. Natürlich darf auch der cilentanische Klassiker, die Alici (Sardellen) nicht fehlen. Meisten sind es einfache vegetarische Gerichte, die aber sehr schmackhaft sind und ihre Zeit der Zubereitung benötigen.

Unser Drei-Gänge-Menü ist uns sehr gelungen,

die Vorspeise bestand aus frittiertem Gemüse, dann folgte das Hauptgericht, eine Pasta mit Kräutern, Sardellen und Käse und als Dessert gab es Büffel-Mozzarella. Gekrönt wurde das Menü durch einen herrlichen, trocknen Weiß- und Rotwein. Natürlich waren wir auf unsere Kochkunst sehr stolz, belohnt wurden wir dafür mit einem Grappa.

Anschließend machten wir entlang der Calanca-Bucht bis zum Strand Capogrosso einen verdienten Verdauungsspaziergang. Die geplante zweistündige Bootfahrt zum traditionellen Sardellenfang nach „Menaica Art“ mußte wegen des Regens leider abgesagt werden.

Dafür besuchen wir die Büffel-Farm „ Tenuta Vannulo“,

die nur wenige Autominuten vom Ort „Paestum“ entfernt liegt und einst Sumpfgebiet war. Die Farm wird von Antonio Palmieri in dritter Generation geführt und beeindruckt durch die sehr schöne weitläufige Anlage, auf der 600 Tiere ab April auf Weiden und im Winter hauptsächlich im Stall leben. Dieser ist in vier Bereiche unterteilt: Für Jungtiere, tragende Büffelkühe, Wellnessbereich mit Massagebürste und Gummimatten zum Schlafen, sowie Duschen zur Abkühlung und Futter- und Melkbereiche.

Es gibt vier vollautomatische Melkmaschinen, an denen die Tiere, die gechipt sind, freiwillig anstehen, denn sie können nur gemolken werden, wenn der Chip sie in den Melkbereich läßt. Es ist faszinierend, wie artig die Tiere zum Melken hintereinander anstehen.

Man merkt, es sind gesunde und glückliche Tiere, die homöopatisch behandelt werden und deren Futter aus eigenem biologischem Anbau, ohne Zusatz von chemischem Dünger, stammt.

Auf der Farm steht seit 2000 für Besucher eine Yoghurteria zur Verfügung, in der es köstliche Marmeladen, Eis, Pralinen und Pudding aus Büffelmilch zu kaufen gibt, die alle fantastisch schmecken und süchtig machen.

In der angrenzenden Ledermanufaktur werden Taschen in Handarbeit in der Farbe marrone hergestellt, sie ist die natürliche Farbe, der Büffel.

Seit 2015 ist es auch möglich, im Hautgebäude aus dem 18. Jh., in der neuen „Sala di Degustazione“ zu Mittag zu speisen.

Nun geht es zurück nach Marina di Camarota,

denn das „La Taverna del Mozzo“ erwartet uns schon zum Abendessen. Es ist ein kleines, aber feines Fisch-Restaurant mit offener Küche, das in einer lockeren und sehr angenehmen Atmosphäre „the catch of the day“ mit viel Liebe und Fantasie zubereitet. Viele kleine, aber schmackhafte Häppchen geben uns einen Überblick über das perfekte „Koch-Können“ des Chefs Davide mit roter Kochmütze und seinem Team, das uns begeistert. Zudem werden wir mit herrlichem Weiß- und Rotwein und sehr gutem Grappa verwöhnt, so daß unsere Stimmung sehr fröhlich ist und der Abend leider wie im Flug vergeht.

Heute ist schon der dritte Tag und die Sonne scheint, 

 

so daß wir einen Bootsausflug zum Meeresnaturpark „Baia Infreschi“ planen. Es geht mit einem kleinen Ausflugsboot entlang der Küste zwischen Marina di Camerota und Scario. Wir kommen vorbei an kleinen romantischen Stränden, hohen Klippen mit ihren eigenwilligen Formen und fantasievollen Namen sowie zahlreichen Grotten wie der wunderschönen „Blauen Grotte“, bis wir die „Baia Infreschi“ erreichen und im seichten Wasser von Bord gehen.

Nun geht es ca. 3,5 km zu Fuß über Gesteinsbrocken, dann weiter auf schmalen und ausgetretenen Wegen durch eine Mittelmeer-Macchia und unberührte wilde Natur. Manchmal können wir uns an Ästen oder kurzen Geländern hochziehen, um die hohen Wegabsätze zu erklimmen. Es ist nicht gerade leicht, so daß wir „Städter“ manchmal stöhnen und uns wie „Gämsen und Steinböcke“ fühlen und glauben, die 3,5 km enden nie. Manchmal haben wir die Möglichkeit, auf einer kleinen Plattform zu verschnaufen und dabei die großartige Landschaft zu genießen. Diese begeistert mit ihrer Vielseitigkeit von seltener Flora und Fauna sowie mit herrlichem Rundumblick, der das kontrastreiche Panorama offenbart. Das Bild einer PoPoststkarte könnte nicht schöner sein.

Nun erreichen wir die kleine „Pozzallo Bucht“ mit ihrem weißen Sand. Hier werden wir schon von Chefin „Antonietta Marchese“ und ihrem gedeckten Tisch erwartet und herzlich begrüßt. Dann laden die leckere, frittiere Pizza und die belegte Fresella (typisch cilentanisch), die mit Gemüse und Sardellen belegt ist, und fruchtigem Wein ein. dann geht es wieder auf unser Boot, das uns im Regen nach Marina di Camerota bringt, von wo es dann weiter im Auto zum Küsrtenort Palinuro, der Provinz Salerno geht.

 

Cilento ist auch die Heimat der Sardellen.

Wir besuchen die Firma „Aura“ und haben hier die Möglichkeit, durch den Inhaber „Luca Cella“ einen Überblick über die Fangart sowie Verarbeitung der Sardellen zu bekommen, die sehr diffizil ist und viel Erfahrung fordert.

Es ist interessant, die Sardellenschwärme richten sich nach dem Licht und laichen im März und April nahe der Küste, so daß die Fischer Mario und Luigi die Netze bei Sonnenuntergang ins Wasser lassen. Wichtig ist, daß mit dem Netz ein rechteckiger Winkel zum Sardellenschwarm gebildet werden muß. Es sind nur die großen ausgewachsenen Fische, die sich im Netz verfangen und sofort tot sind, da sie sich am Hals aufhängen und ausbluten. 

Die Verarbeitung erfolgt dann an zwei Tagen in Handarbeit. Am ersten Tag wird der Kopf mit den anhängenden Innereien entfernt. Damit das Wasser der Fische entzogen werden kann, werden sie in Salz gelegt. Am zweiten Tag werden sie in Plastikbehältnissen, deren Boden mit grobem Meersalz beschichtet ist, aneinander gereiht (Kopf, Flosse, Kopf), dann folgen mehrere Reihen über Kreuz. Zum Schluß wird der Rand mit Salz bedeckt und eine Kastanien- oder Olivenholz Scheibe darauf gelegt und mit einem Stein beschwert. Die Sardellen reifen je nach Witterung dann 90 Tage lang.

Die „Menaica Technik“ ist 3000 Jahre alt und wurde zur Zeit der Magna Graecia von den Griechen nach Cilento gebracht, so daß sie heute im gesamten Mittelmeeraum verbreitetet war. Heute wird sie nur noch im Cilento praktiziert. Die „Alici di Menaica“ ist zu einem beliebten „Slow Food“ avanciert, das in verschiedenen Zubereitungsarten erhältlich ist.

Unsere Reise neigt sich allmählich dem Ende zu

und wir machen einen Abstecher in das Bergdorf „Morigerati“, das sich in der Provinz Salerno befindet. Am Ufer des Flusses „Bussento“ liegt, inmitten von 4.000 Feigenbäumen, das Landgut von Eugenio und Angela mit Bauernhof, Restaurant und Gästezimmern.

Auf dem Anwesen werden Feigen der Sorte „Fichi Bianchi“ an der frischen Luft getrocknet, die dafür sorgt, daß die natürlichen und verschiedenen Geschmackslinien erhalten bleiben. Die getrockneten Feigen sind kulinarische Delikatessen, die auch im Eis und Kuchen nicht Halt machen.

Anschließend ging es zur Ölmühle „Marsicani“ von Nicolangelo Marsicani, in der wir einen Überblick über seine sehr guten Öle erhalten.

Nun knurrt unser Magen

und wir fahren zum Essen nach Marina di Camerota zurück und speisen in der „Antica Trattoria da Valentone“ zu Abend, wo wir Gerichte mit Sardellen in sieben verschiedenen Variationen bekommen, die sehr gut schmecken und wirklich satt machen. Es ist kühl und das Feuer im Kamin will nicht so recht brennen, das tut unserer Stimmung aber keinen Abbruch, denn dafür fließen reichlich Wein, Grappa und Finochietto (Fenchel-Kräuterlikör), die uns von innen heizen! Wir erleben hier einen sehr netten und auch lustigen Abend.

An unserem letzten Tag wollen wir noch die „Oasi WWF Grotte“ besuchen.

Das zuständige Büro erwartet uns schon, denn von hier geht es zu Fuß zur „Bussento-Schlucht“ . Auf halber Strecke entwickelt sich ein unglaublich starker Regen, so daß wir völlig durchnäßt werden und leider auf halber Strecke umkehren müssen. In der Zwischenzeit wurde aber unser Mittagstisch mit den typischen Köstlichkeiten sowie herrlichem Wein gedeckt, der uns verwöhnt und ein wenig auch tröstet.

Langsam hört der Regen auf und wir fahren zurück zum Hotel. Auf dem Weg, ca. 20 Minuten von„ Morigerati“ entfernt, bei „Caselle in Pittari“, kommen wir an einer kleinen mit Efeu bewachsenen Brücke vorbei, die einst Teil eines alten Handelsweges durch den Cilento war. Darunter plätschert ein breiter Wasserfall, der über die Pflanzen läuft und „das Haar der Venus“ genannt wird. Wir befinden uns im Tal der Wasserfälle „Capelli Di Venere“. Vor uns erscheint ein seltenes unglaublich malerisches Bild, das wie künstlich und auch kitschig in seinen Farben und Formen wirkt, aber doch natürlich ist! Wir sind ganz begeistert und können uns von dem Anblick kaum trennen, man muß es einfach gesehen haben. Es ist beeindruckend, was die Natur vollbringt, das Gebiet steht auch unter dem Schutz der UNESCO.

Heute genießen wir unser letztes Abendessen.

Nachdem wir wieder trockene Sachen anhaben, geht es zum Essen in die „Taverna Ammor e Mare“ in Marina di Camerota. Sie besticht mit ihrem maritimen Ambiente und eigenwilliger schummriger Beleuchtung, die eine angenehme Gemütlichkeit zaubert, nun sind wir gespannt auf unser Essen. Uns erwarten ortstypische Speisen natürlich mit Sardellen, die nicht wegzudenken sind und ein herrlicher talienischer Weiß- und Rotwein. Wir genießen die wunderschöne Atmosphäre, die gepaart mit grenzenloser italienischer Gastfreundschaft allgegenwärtig ist, die wir ganz sicher vermissen werden, denn morgen geht es wieder nach Hause.

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Der Nationalpark Cilento

ist der zweitgrößte Nationalpark Italiens und befindet sich mit einer Fläche von über 181.048 Hektar in der Region Kampanien und der Provinz Salerno. Seine unglaublich schöne und authentische Landschaft besticht durch ihre grenzenlose Vielseitigkeit.

Dazu gehören eine ca. 100 km lange Küste mit ihren zahlreichen Höhlen und Grotten, die sich mit Steilküsten und Sandstränden abwechseln. Das Landesinnere besteht meist aus Bergen, die teilweise bewaldet, oder auch mit Olivenhainen bewachsen sind. Der Monte Cervati ist mit seinen 1.898 Metern die höchste Erhebung. Kleine, meist mittelalterliche Dörfer liegen zwischen den Hügeln und träumen vielleicht vom Wachwerden. Die Orte Marina di Camerota sowie der kleinere Ort Palinuro bilden das Zentrum des Nationalparks. Nationalpark Cilento und Vallo di Diano 

 

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Sigrun Lüddecke
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Herausgeberin Bonnes Vacances – Magazin für VIP-Reisen bei PR-CONSULT Berlin
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