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DIE EHEMALIGE HANSESTADT GRONINGEN

Die vom Wasser umgebene Universitätsstadt Gronigen ist die Hauptstadt der Provinz Groningen der Niederlande und kann auf eine lange historische Geschichte zurückblicken, obwohl sie die jüngste Stadt des Landes ist.

Es ist erstaunlich und beeindruckend, denn heute ist das quicklebendige Groningen eine gelungene Mixtur aus historischen Gebäuden, modernster Architektur, die gepaart ist mit eindrucksvoller Kultur sowie einem spektakulären Nachtleben für Jung und Alt. Nicht umsonst wurde sie zur besten Innenstadt gekürt. Sie präsentiert mit ihren malerischen Seen sowie dem WeltkulturerbeWattenmeer“ mit seiner 400 Kilometer langen deutsch-niederländischen Wattenmeerküste die älteste Kulturlandschaft Europas

Leider läßt das Wetter zu wünschen übrig, die Sonne scheint kaum, oft gießt es aus Kübeln und ein starker Wind weht. Wir sind froh, daß unser Hotel „Miss Blanche“ sehr zentral in der Altstadt liegt, so daß wir die Sehenswürdigkeiten recht schnell erreichen.

Heute geht es auf Entdeckungstour in die Altstadt

die an der „Staande Mastroute“ mit ihren zahlreichen Wasserwegen, den verstreuten alten Landgütern mit ihren prachtvollen Gärten sowie romanischen Kirchen liegt.

Als erstes lockt das „Groninger Museum“ mit seinem markanten Bau und seinem Potpourri aus Farben und Formen, das mitten im Wasser liegt. Es faziniert mit einzigartigen Sammlungen wie z..B. den Gemälden von Rubens oder van Gogh sowie zeitgenössischer und historischer Kunst bis hin zu Comics, Grafiken und Kostümen. Beeindruckend ist die silberne Miniatur des „Martiniturms“, oder aber der Schmuck aus der Bronzezeit. Die Künstlergruppe „De Ploeg“ brilliert mit expressionistischen Farben und Formen, die die charakteristische Landschaft, Leute und das Leben in der Stadt zeigen, ich könnte den ganzen Tag im Museum verbringen!

Gleich gegenüber befindet sich der Hauptbahnhof, dessen Stilelemente Gotik und Renaissance zeigen. Er soll der schönste Bahnhof Europas sein und steht unter Denkmalschutz.

Nun lockt die einstündige Bootsrundfahrt durch die Grachten.

Ein wenig lacht die Sonne und die einstündige Bootstour beginnt und endet direkt neben dem Art Museum. Wir gehen an Bord und unsere Rundfahrt bringt uns auf dem Grachtenring um die ganze Innenstadt bis kurz auf den „Eemskanal“, dann geht es wieder zurück. Die Strecke mit ihren zahllosen beweglichen Brücken und zwei Schleusen werden von „Brückenwärtern“ bedient.

Wir sind begeistert, denn wir kommen an wunderschönen und mittelalterlichen Patrizierhäusern sowie historischen Stadttürmen vorbei. Seitlich, innerhalb der Wasserwege, liegen schwimmende Restaurants, Hausboote mit fröhlichen Menschen sowie alte ehrwürdige Schiffe und andere Bootstypen vor Anker.

Ein besonderes Highlight überrascht uns, als wir durch die Groninger Grachten fahren, als die Brücke sich im Verbindungskanal öffnet, erscheint plötzlich ein Kunstwerk aus dem Projekt „Kunst unter Brücken“, andere Kanäle zeigen Gedichte oder aber das Foto einer Hafenansicht in Groningen e.t.c. – es ist wirklich beeindruckend.

Spät ist es geworden und unser Magen knurrt.

Wir speisen im Restaurant „Kleine Heerlijkheid“ , wo wir schon erwartet werden. Es wirkt wie ein kleines gemütliches Restaurant im Wohnzimmer und besticht mit einer sehr guten Küche. Alle Gerichte werden hier mit Liebe selbst gekocht, die durch einen guten Wein abgerundet werden.

Gesättigt und guter Laune geht es nun zurück durch die Altstadt, in Richtung Hotel. Auf unserem Weg erleben wir hunderte junger Leute, die sich auf den Straßen, den Restaurants und Bars, auf und um den großen Marktplatz fröhlich, laut schreiend und sehr alkoholisiert vergnügen. Wir sind wirklich überrascht und erfahren, daß es sich im Moment, um die

KEI-Woche“ vom 14. – 18. 8. handelt, die jedes Jahr im August stattfindet.

Sie ist die allgemeine Einführungswoche für alle anstehenden Erst-Semester der „Hanze Universität Groningen“ sowie anderer Bildungseinrichtungen. Zu Beginn des Studienjahres wird die Innenstadt von Groningen von tausenden Studienanfängern bevölkert, die so die Stadt mit all ihren Vereinen, Veranstaltungen, kulturellen Einrichtungen sowie politischen Parteien und auch Kommilitonen kennenlernen können. An diesem alkoholträchtigen Spektakel, das bis früh in den nächsten Morgen dauert, nahmen im letzten Jahr 5252 Studenten teil.

Nach einer sehr lauten Nacht

geht es nun zum Frühstück in die „Bakkerij Blanche“ und danach zur Stadtbesichtigung, die den Glanz und Reichtum der ehemaligen Hansestadt zeigt, wie z.B. das Verwaltungszentrum „Provinciehuis“, dessen ältester Teil aus dem 16. Jahrhundert stammt.

Wir kommen zum „Großen Markt“ mit seinen zahlreichen Kneipen und dem Kaufhaus „Vroom & Dreesmann“ sowie den wunderbaren Hausfassaden aus dem 17. und 18. Jh., die wir bewundern . Gleich nebenan steht die älteste und größte Kirche der Stadt, die „Martinikirche“ aus dem 15. Jh.. Ihr alter grauer, leicht schiefer Turm, der auch der „Olle Grieze“ genannt wird, ist das Wahrzeichen von Groningen. Sein Schicksal ist beeindruckend. Einst stürzte er ein, dann wurde er vom Blitz getroffen und das dritte Mal brannte er bis auf 69 Meter ab. Seit seiner Restaurierung 1627 hat er nun eine Höhe von 97 Metern. Man kann ihn besteigen, aber es ist sehr anstrengend – bis 18 Meter sind es 65 Stufen, bis nach oben sind es 370 Stufen und 90 Meter Höhe. Dafür lockt aber ein großartiger Blick über die Stadt und Umgebung.

Das Stadtzentrum um den Großen Markt und Fischmarkt ist ganz autofrei, denn das Fahrrad hat die Macht, aber nicht nur dort, sondern in der ganzen Stadt. Die Fahrer rasen durch die Fußgänger, so daß man oft zur Seite springen muß, es ist gewöhnungsbedürftig.

Direkt hinter dem „Grote Markt“ befindet sich das beeindruckende neoklassizistische Rathaus von 1810 mit seinen Einschußlöchern des Zweiten Weltkrieges sowie die Büste von General „Rabenhaupt“. Auf der Rückseite des 200-jährigen Rathauses steht das großartige und beeindruckende Gebäude „Goundkantoor“ von 1635, das einstige Finanzamt von Groningen, heute ist es ein sehr schönes Café-Restaurant.

Sehenswert ist auch der Jachthafen mit seinen zahlreichen Segelbooten, Motorjachten, Kanus etc. sowie den Tretbooten, Ausflugsbooten und Elektrobooten, die hier auch gemietet werden können.

Obwohl es noch so Vieles zu entdecken gibt,

werden wir nun unser Mittagessen im Restaurant „´t Feithhuis“ genießen, das ein geliebter Treffpunkt für Einheimische und Besucher ist. Es befindet sich in der Nähe von Martiniturm und Grote Markt. Die Angebote der Speisekarte locken und begeistern mit klassischen und modernen sowie regionalen und internationalen Gerichten. Ich entscheide mich für Fisch, der aus exotischen Gefilden kommt und mit regionalen Produkten kombiniert ist, es ist ein wirklicher Genuß, auch die Auswahl der Weinkarte bietet für jeden etwas.

Nach dem wunderbaren Essen geht es nun weiter auf Entdeckungstour. Es ist bereits dunkel geworden, und natürlich treffen wir wieder auf hunderte grölender und schwankende Studenten sowie Bars, die mit ihrer sehr lauten Musik auf sich aufmerksam machen und bis in den frühen Morgen geöffnet haben. Groningen scheint z. Z. außer Rand und Band zu sein!!

Inzwischen ist es spät geworden, so daß wir zum Abendessen das Restaurant „Zusje van Andre Dokter“ aufsuchen. Wir sind überrascht, denn das Restaurant ist sehr gut besucht, das Servicepersonal sehr freundlich und aufmerksam, die Speisekarte sehr verführerisch und die Getränke verlockend. Wir entscheiden uns für eine Vorspeise mit Garnelen, die Hauptgerichte sind Fleisch und Fisch mit einem köstlich frischen Salat, und der Abschluß wird mit einem wunderbaren Eis vollendet. Es ist ein gelungener Abend, den wir wirklich genießen.

 

 

 

 

Heute ist das Wetter besser geworden.

Nach dem Frühstück gehen wir auf Safari Tour mit einem alten Landrover zum Nationalpark „Lauwersmmeer“, der 2016 zu einem der seltenen „Dark Sky Parks“ ernannt wurde.

Es geht durch eine sehr schöne flache Naturlandschaft mit einer reichen Tier- und Pflanzenwelt wie den von weitem leuchtenden gelben Sanddornbüschen sowie zahlreichen Bauernhöfen und Feldern. Dieses Gebiet ist die einzige wirklich unberührte Weidelandschaft der Niederlande sowie die Heimat von Zug- und Wasservögeln sowie dem Seeadler. Nicht umsonst gehört das Wattenmeer zum UNESCO Weltkulturerbe.

Unsere Fahrt ist sehr informativ und auch fröhlich, denn unser Fahrer ist der ehemalige Forstaufseher „Jan Willems“, der Falkner, Jäger, Fischer und Autor ist. So kommen wir in den Genuß, an die schönsten Orte im Nationalpark Lauwersoog zu kommen. Es ist wirklich fantastisch, aber leider ging die Stunde viel zu schnell vorüber!

Nach all den Eindrücken kehren wir im Restaurant „Paviljoen Norman“ ein, das in der Nähe des Wattenmeeres liegt und mit einen herrlichen Blick über das Lauwersmeer überrascht.

So schön der Blick auch ist, das Essen läßt zu wünschen übrig. Wir haben den Eindruck, daß es zurückgegebene Reste von Gerichten sind, die noch einmal für uns aufgewärmt wurden! Mein Rat, man sollte hier nur einen Drink nehmen und dann woanders speisen. Enttäuscht und hungrig machen wir uns nun auf den Weg nach Groningen.

 Dort angelangt, freuen wir uns auf das Restaurant „Pronk“, das am Fischmarkt liegt. Das alte Gebäude mit seiner modernen Einrichtung überrascht, die Gäste sind meist junge Leute. Man hat auch die Möglichkeit, auf einer großenund gemütlichen Terrasse zu speisen, auf der auch für Wärme gesorgt ist. Das Personal ist sehr nett und höflich und hilft uns bei der großen Auswahl an Speisen, die mit zahlreiche Köstlichkeiten sowie guten Weinen lockt. Es ist ein sehr netter Abend.

Heute ist Abreisetag und es scheint endlich die Sonne !

Wir machen noch einen Abstecher zur Festung „Bourtange“, die einst zur Überwachung der Straßen und Wege der früheren versumpften Landschaft diente. Nach ihrem vollständigen Verfall wurde sie dann wieder aufgebaut.

Dann ließen sich im 19. Jh. immer mehr Menschen hier nieder, so daß eine kleine Festungsstadt, die von Festungswällen und Wassergräben umgeben ist und von Brückenwächter-Häuschen bewacht wurde. Je näher man der Anlage kommt, hat man das Gefühl, daß hier die Zeit des 18. Jhs. stehengeblieben ist.

Wir kommen zum Informationszentrum der Anlage

und dem großen Marktplatz mit seinen uralten Bäumen, unter denen Tische und Stühle der Cafés und Restaurants stehen, die zum Verweilen einladen. Dann geht es weiter, vorbei an ehemaligen Soldatenbehausungen, einem Offiziershaus sowie einer Synagoge von 1842 , die jetzt ein Museum ist. Wir sehen ehemalige

zeitgenössische Wohnhäuser, die zu  netten Touristenunterkünften verwandelt wurden und auch Offiziers- und Gewürzhäuser sowie eine Kirche und verschiedene Mühlen. Dann erreichen wir die Verteidigungsanlagen mit ihren schweren Kanonen und den Schießpulverturm sowie die frühere unglaubliche Toilettenanlage, die sehr beeindruckend ist! 

 

Sehr informativ sind auch die Festivals im Sommer,

wie auch im Mai die „Schlacht von Bourtange“, oder aber die Schlachten von 1640 und 1814. Spannend sind die Vorführungen der Exerzierübungsgruppen im Kanonenschießen oder auch die Wagenspiele auf der Festung .

Sehenswert ist das Festival „Das Festungs Sectaculum“. Man erlebt , wie das ehemalige Dorf im Jahr 1742 auf der Festung von Kananonendonner, Musikanten, Handwerkern und Soldaten bevölkert wird. Es ist ein beeindruckendes, spannendes wie auch historisches Spektakel.

Weitere Informationen erhält man im Museumsdorf Bourtange, denn hier kann man die lebende Geschichte als Video erleben.

www.bourtange.nl

 

 

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Herausgeberin Bonnes Vacances – Magazin für VIP-Reisen bei PR-CONSULT Berlin
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