EINE FLUSSKREUZFAHRT AUF DER WOLGA UND DEN NÖRDLICHEN WASSERWEGEN – Teil 4 von 6

Heute ist schon der 13. 5. und unser Schiff muß nun 277 km zurücklegen.

Quelle: Wikipedia

Wir befinden uns nun im Norden des „Onegasees“, es ist der zweitgrößte Binnensee Europas und besticht mit seinen ca. 1650 Inseln, wobei die Insel „Kishi“, die berühmteste ist. Die Landschaft an den Ufern ist malerisch, es wechseln sich Nadelhölzer, Laubwälder und Felsen ab, auch gibt es hier Bären, Hirsche,Wölfe, Marder, Luchse und Eichhörnchen und man glaubt es nicht, im See tummeln sich 40 Fischarten darunter auch Lachse und Forellen.

Die Sonne versinkt im Sommer hier kaum und im Winter sind die Nächte lang. Das Klima ist in dieser Gegend rau und feucht und weit unter null Grad, im Winter kann es bis auf -45 Grad fallen und im Sommer auf +35 steigen. Im November bis Mai friert der Onegasee zu und bei stürmischem Wetter können die Wellen bis zu 5 Meter hoch werden.

Es ist kaum vorstellbar, dass auf der Insel heidnische Rituale bis ins 11. Jh. abgehalten wurden, so dass viel Menschen in den nördlichen Wäldern Schutz vor den Tataren-Jochs suchten. Im 16, Jh. wurde Kishi Verwaltungszentrum vieler Siedlungen auf den Inseln und dem Festland. Im 17. Jh. wurde hier ein Ensemble von Kirchen erbaut, die im 18 Jh. durch einen Brand wieder vernichtet wurden, die aber dann sehr schön wieder errichtet wurden.

Die 1714 gebaute „Verklärungskirche“ ist eine „Sommerkirche„ und hat 22 kleine, pyramidenartig ansteigende Kuppeln. Im Jahr 1764 wurde dann eine „Winterkirche“ daneben gebaut, die im Winter heizbar war und ein hölzernes Flachdach mit 8 kleinen hölzernen Kuppeln und einen Glockenturm von 1874 hat. Es gibt auch noch weitere Kirchen sowie verschiedene Kapellen wie auch Bauernhäuser mit Nebengebäuden aus den Dörfern der Umgebung. Heute ist „Kishi“ ein Freiluftmuseum von 82 Werken der karelischen und nordrussischen Holzbauweise und gehört seit 1990 zum UNESCO- Weltkulturerbe. Ca.100 Personen wohnen heute auf der Insel, die auf zwei Dörfer verteilt sind.

Jetzt ist es nicht mehr weit nach St. Petersburg,

unser Schiff fährt heute auf dem Fluss „Svir“, der 218 km lang ist und durch zwei Wasserkraftwerke und zwei Schleusen mit Höhenunterschieden von 14 und 21 Metern unterbrochen wird . Der Fluss ist teilweise sehr schmal und hat auch einen kurvenreichen Lauf sowie Stromschnellen, die bei Nebel für die Navigation gefährlich sein können. Besonders reizvoll zeigen sich die Ufer mit ihrer wunderschönen abwechslungsreichen Landschaft, die mit Schluchten, Roten Felsen, Sumpfgebieten und bewaldeten Hochufern überraschen. Es ist ein herrliches Naturschutzgebiet, in dem sich über 240 Tierarten tummeln.

Nun erreichen wir nach 280 km das ehemalige Fischerdorf „Werchnije Mandrogi“, das am Fluss „Svir“ liegt, das die Verbindung zwischen dem „Onega- und dem Ladoga-See“ ist. Wir machen einen Spaziergang durch das Dorf, das seine Blütezeit zur Zeit Peters des Großen hatte, der hier auch Schiffe bauen ließ. 1944 wurde das Dorf durch einen Brand vollständig zerstört. In den 1990er Jahren kaufte dann ein Investor die Dorfüberreste und es entstand 1996 durch den besten Holzbaumeister das frühere Fischerdorf als Museumsdorf „Werchnije Mandrog „– Obere Stromschnellen – neu. Wir machen einen Spaziergang durch das Dorf, dass mit seinen Boutiquen sehr für die Touristeneinkäufe sorgt, so dass der Rubel rollt.

Um 13 Uhr findet dann unser Essen im Freien statt und wir werden verwöhnt mit Schaschlik, Gemüse, russischem Beerensaft, Tee oder Kaffee sowie Piroggen. Dann geht es zurück an Bord und unser Schiff nimmt Kurs auf St. Petersburg. Am Abend ist es dann so weit, unsere Mannschaft lädt uns zum Abschiedscocktail ein.

 

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Bericht und Fotos: S. Lüddecke

www.gebeco.de

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