Der Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR) hat bei seinem „Zukunftsforum“ am…
Der Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR) hat bei seinem „Zukunftsforum“ am Donnerstag in Düsseldorf gegenwärtige Rechtsstreitigkeiten zwischen Aida Cruises und zwei Rückvergütern öffentlich gemacht und warnt nun „eindringlich vor den gravierenden Folgen“. Der Verlust des Handelsvertreterstatus´ für Reisebüros stehe auf dem Spiel, so die VUSR-Vorsitzende Marija Linnhoff.
Wie der Verband in einer aktuellen Mitteilung wissen lässt, hat Aida zwei Anbietern – den Sparkassen und dem „Reisejoker“ – auf Grundlage des Handelsvertretergesetzes den Agenturvertrag gekündigt, weil diese Rückvergütungen gewähren. Die betroffenen Unternehmen hätten daraufhin Klage gegen die Kündigung eingereicht.
„Diese Entwicklung ist ein Weckruf für die gesamte Reisebüro-Branche“, so Marija Linnhoff. „Sollte Aida diesen Rechtsstreit verlieren, droht eine Zerstörung des bisherigen Provisionsmodells – mit massiven Folgen für die Existenz vieler Reisebüros.“
„Handelsvertreterstatus in Gefahr“
Aida werde den Rechtsstreit notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof führen, wird Alexander Ewig, Senior Vice President Marketing & Sales und Mitglied der Geschäftsführung von Aida Cruises, in der Verbandsmitteilung zitiert. Sollte die Reederei dort unterliegen, könnte der Handelsvertreterstatus für Reisebüros in Deutschland entfallen, mahnt der VUSR.
Dann wäre der Einführung des Maklerstatus´ Tür und Tor geöffnet, warnt Linnhoff. „Die Branche kann sich sicher sein, dass nach und nach alle Reiseveranstalter diesem Beispiel folgen werden – genau wie damals bei den Fluggesellschaften. Einer prescht vor, die anderen ziehen nach“, so die VUSR-Chefin. Die Branche müsse alles tun, um den Fall des Handelsvertreters zu verhindern.
Sollte es dennoch so weit kommen, müssten Reisebüros künftig als Makler agieren, anstatt als Handelsvertreter mit festgelegten Provisionen zu arbeiten. Sie wären gezwungen, Reisen zu Nettopreisen einzukaufen und selbst Aufschläge zu kalkulieren, erläutert der VUSR.
„Das bedeutet nichts anderes, als dass Reisebüros gezwungen werden, selbst Preise zu gestalten – mit all den Risiken, die damit verbunden sind. Es würde zu einer massiven Wettbewerbsverzerrung führen und inhabergeführte Reisebüros besonders hart treffen“, befürchtet Marija Linnhoff.
VUSR fordert klare Regeln gegen Rückvergütungen
Der VUSR sieht die Verantwortung nicht nur bei Aida, sondern auch bei Banken und anderen Institutionen, die indirekte Rückvergütungen ermöglichen. Als aktuelles Beispiel nennt der Verband die Raiffeisenbank Regensburg-Wenzenbach, die mit einer goldenen Kreditkarte Kunden Reisevergünstigungen biete.
„Es kann nicht sein, dass Banken und Konzerne das klassische Reisebüro-Modell aushöhlen, während wir um unsere Existenz kämpfen. Wir brauchen klare gesetzliche Regelungen, die Rückvergütungen untersagen und faire Wettbewerbsbedingungen schaffen“, fordert Linnhoff. Sie dankte Aida ausdrücklich für den Schritt der Klärung.
Appell an die Politik und die Branche
Der VUSR ruft die Politik und die gesamte Branche dazu auf, sich gegen diese Entwicklung zu wehren. „Wir haben maximal zwei Jahre, bis eine endgültige Entscheidung fällt. Das ist unsere letzte Chance, den Beruf des Reisebüro-Verkehrskaufmanns und der Reisebüro-Verkehrskauffrau zu schützen“, warnt Linnhoff. Es sei Zeit zu handeln.
Über die Themen Rückvergütung und Preisparität äußert sich Aida-Vertriebschef Uwe Mohr in der neuen ta-Ausgabe 03/2025, die am kommenden Montag erscheint. Anlass ist der Einstieg von Check24 ins Kreuzfahrtgeschäft.