Christo ruft an

 Die Idee, etwas für die Nachwelt zu hinterlassen, fand Christo ziemlich naiv und andere Künstler nicht mal erwähnenswert. Außerdem wollte er nicht über Religion und Politik sprechen, sondern ausschließlich über sich – das kündigte er mir zu Beginn unseres Gesprächs an. Aber wer war dieser Mann, der Mitte der neunziger Jahre den Reichstag verpackt, in Japan ganze Dörfer aus Schirmen aufgebaut und in Amerika Flüsse verhüllt hatte? Ich hatte das besondere Glück, mit ihm darüber persönlich sprechen zu dürfen, ganz modern per Videochat. Pünktlich um sieben abends saß ich vorm Laptop – natürlich mit Dolmetscherin – und wartete auf seinen Anruf. Doch der kam leider nicht. Als er eine Stunde später tatsächlich anrief, hatte ich die Dolmetscherin längst traurig nach Hause geschickt und … Aber zum Glück hatte ich in der Schule manchmal aufgepasst, und so reichte mein Englisch gerade eben! PS: Dieses Interview fand vor Christos Tod im Jahr 2020 statt, und wir haben es zur Ausstellung im Picasso-Museum noch einmal ausgepackt. 

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